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Rede Prof. Peter Vermeulen

2688_20061102164914Auf dem letzten Parteitag der Mülheimer CDU hat der neue Dezernet für Schule, Jugend und Kultur, Peter Vermeulen, eine beeindruckende Grundsatzrede zu den Chancen der Kultur im Rahmen der "Kulturhauptstadt 2010" gehalten, die wie hier in voller Länge abdrucken.

"Kultur ist etwas so Grundsätzliches, so Bedeutendes! Wenn Sie einen Kulturdezernenten bitten, eine Rede zu halten, dann kann das genauso spannend werden, wie ein total entspannender Theaterabend, der Sie nach hart vollbrachtem, langen Tagewerk in nur zehn weiteren Minuten im weichen Theatersessel sanft zusammensinken lässt.

Ich will mich kurz fassen, um unter diese 10-Minuten-Grenze zu kommen. Was dürfen Sie erwarten?

Etwas Grundsätzliches vorneweg und dann Antworten auf drei Fragen:

1. Vor welchen Herausforderungen steht die Kulturpolitik?
2. Wohin steuern wir 2010?
3. Wie soll es mit dem Kulturbetrieb weitergehen?

Kommen wir zum Grundsätzlichen:

Einer der ältesten Schüttelreime zum Thema, er begleitet mich seitdem ich mich auf dieses Arbeitsfeld eingelassen habe, lautet: Kultur, Kultur, was ist das nur?

Wenn Sie mir diese Frage stellen, dann versuche ich eine Definition zu geben:

Der Mensch ist stets auf der Suche nach Glück. Stimmen Sie mir hier zu? Dann, meine Damen und Herren, sind die Spuren dieser Glückssuche, deren sichtbare Zeichen, das ist unsere Kultur.
Damit ist Kultur in jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Gebäude und jedem Haus, in jeder Familie und in jedem Mensch. Und da die Glückssuche abfärbt, bilden sich unterschiedliche Kulturkreise. Jedem Epizentrum eines Kulturkreises liegt Kulturarbeit, liegt Kunst zugrunde. Warum sollten wir eine Kulturveranstaltung besuchen, wenn diese nicht unser Herz hebt?

Wenn wir also Kultur betrachten, dann wenden wir uns der Glückssuche zu.

Dabei gelten folgende sechs Punkte für mich als grundlegend:

1. Staatliche Verantwortung für Kulturförderung ist in Deutschland historisch unstrittig. Aber eine Neue Debatte wird nötig, wie diese Verantwortung auszugestalten ist. Hier, meine Damen und Herren, sind auch die Bürger, ist die Zivilgesellschaft gefragt.

2. Kulturverwaltung wird in Zukunft nicht mehr nur kulturaktiv, sondern soll stärker kulturaktivierend tätig werden, also Bürgerschaft und Wirtschaft aktiv einbinden

3. Trägerschaften von Kultureinrichtungen öffnen sich für neue Partnerschaften und Miteigentümer. Das unternehmerische Risiko für den Betrieb von Kultureinrichtungen muss nicht länger ausschließlich auf der Stadt lasten. Hier sind andere Gestaltungen denkbar.

4. Wenn wir Kulturpolitik als einen kommunalen Gestaltungsanspruch verstehen, dann müssen wir die Schnittstellen zur Wirtschaftsförderung, zum Stadtmarketing, zur Stadtentwicklung, zum Bereich Soziales genauso ausprägen, wie zu den Bereichen Kinder, Jugend und Schule. Kultur ist politische Querschnittsaufgabe.

5. Eine markt- und wirtschaftsorientierte Kulturpolitik unterstützt die Anwendung von Managementwissen im Kulturbetrieb

6. Öffentliche Kultursteuerung könnte durch Geldvergaben für gewünschte Wirkungen erfolgen. Hierzu müssen neue Regelkreise in der Kulturpolitik entwickelt werden.

Begeben wir uns also vor diesem Hintergrund gemeinsam auf die Suche nach dem Glück und beginnen bei den Herausforderungen. Hier nenne ich für die Kulturarbeit nur zwei, die heute selbstverständliches Element aller Planungsüberlegungen sind:

Demografischer Wandel- ich erspare Ihnen Details, aber wenn Sie sich mit dem Thema beschäftigen, dann werden Sie auch wenn Sie allen Statistiken misstrauen, erkennen müssen, dass ein mittlerweile 35jähriger Geburtenrückgang 75 bis 100 Jahre braucht, um sich in der ewigen Bevölkerungspyramide auszuwachsen. Und das auch nur, wenn keine weiteren Störungen hinzukommen. Wir steuern auf eine Altersblase zu in noch nie da gewesenem Ausmaß. Damit wird Kulturförderung und Kulturfinanzierung unter Druck geraten, weil die weniger werdenden Steuergelder zunehmend für Sozialausgaben nötig werden.

Integration der „Zugereisten“ – während viele junge Deutsche ihr Glück in der urdeutschen Tugend Arbeit suchen, finden junge Ehepaare mit Zuwanderungsgeschichte dies auch in Familie. Unerschrocken und ungebrochen zählen bei ihnen Kinder zu selbstverständlichem Familienglück. Sie lassen sich auch nicht davon abschrecken, dass alle Pauschalreisen ihre Angebote bei zwei Kindern abregeln. Meine Damen und Herren, wir haben heute schon Schulen, mit 90%igem Migrantenanteil. Jetzt schauen Sie bitte einige Jahre in die Zukunft. Wer bekommt dann wieder Kinder? Schon deswegen brauchen wir die Durchmischung unserer Gesellschaft. Alles andere wäre schlimm.

Doch wenn Sie andererseits daran denken, wie schwer es selbst in Deutschland ein Bayer im Ruhrgebiet oder ein Norddeutscher in München haben, dann wissen Sie auch dass die Zugereisten immer und überall zu integrieren sind. Wenn Sie aber, und jetzt wird es böse, aktuell unseren zugewanderten Nachbarn aus dem Weg gehen wollen, dann besuchen Sie unsere öffentlichen Kulturinstitute. Der Anteil von Migranten im Museum, im Theater ist verschwindend klein. Meine lieben Parteifreunde, wenn wir eine solidarische Gesellschaft schaffen wollen, dann müssen wir unsere Kulturarbeit noch stärker und vor allem intelligenter öffnen. Es scheitert nämlich nicht am Wollen – Kulturleute sind, seien wir ehrlich- doch zumeist toleranter als tolerant- , daher, meine Damen und Herren, scheitert es, ich sage es schonungslos am Können. Kultur wird sich dieser Herausforderung stellen!

Aus den Herausforderungen folgen für die Kulturarbeit drei praktische Ableitungen:

- Ehrenamt und Spenden erhöhen (Stichwort: bürgerschaftliche Beteiligung an Kulturarbeit und –finanzierung )

- Besucherzahlen erhöhen (Stichwort: Kulturmarketing)

- Ressourcen effizienter ausschöpfen und effektiver einsetzen (Stichwort: Wirkungsforschung, Evaluation des Mitteleinsatzes)

Wohin steuern wir 2010?

Die Metropolregion Ruhr verliert Jahr für Jahr Einwohner, Unternehmen, Arbeitsplätze. Sie sei geprägt durch die Konzentration von Arbeitslosigkeit, Migration und schlechtem Image“, sagt Karl Jasper aus dem Städtebauministerium NRW, als er im Mai 2006 „Neue Ideen für die Standortqualität des Ruhrgebietes“ formulierte. Dabei sagen Regionalwissenschaftler dem Ruhrgebiet schon lange ein Defizit an „weichen Standortfaktoren“ nach und leiten daraus ein investitionsfeindliches Milieu ab. Deswegen, so folgert Jasper, sei Stadtentwicklung „geprägt von ihrem integrierten Ansatz, der die Bereiche Wohnen, Verkehr, Handel, Gewerbe, Kultur und Gesellschaft selbstverständlich umfasst.“

Gerade deswegen müssen wir das Ereignis Kulturhauptstadt 2010 für einen grundlegenden Imagewandel des Ruhrgebiets, für ein regionales Redesign nutzen.

Folgt man also diesen Ausführungen, was bedeutet das dann für die Kulturpolitik?

1. Das Ereignis Kulturhauptstadt 2010 ist eine Riesenchance für einen Imagewandel!

2. Hierzu muss Mülheim an der Ruhr ihre weichen Standortfaktoren entwickeln.

3. Dazu gehört der Auf- und Ausbau einer kulturellen Infrastruktur und

4. Eine hohe Aufenthaltsqualität, ein lebendiges, urbanes Stadtzentrum mit

5. einer aktiven Bevölkerung und einer vitalen Kulturszene.

Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben hier in Mülheim viel Kultur!

Lassen Sie mich nur einmal die Museen aufzählen:
- Kunstmuseum Alte Post
- Wassermuseum Aquarius
- Fotografiemuseum Camera Obscura
- Haus RuhrNatur
- Ausstellungsräume Schloss Broich
- Historisches Heimatmuseum Tersteegen-Haus
- Leder- und Gerbermuseum
- Büromuseum im Rathausturm
- das (freilich nicht frei zugängliche) Tengelmannmuseum
- das Schulmuseum oder ehrlicher ein historisches Klassenzimmer in Styrum
- das im Aufbau befindliches Gründer- und Unternehmermuseum

Ich bin mir sicher, dass das nicht alle sind.

Wir haben ein personell vergleichsweise gut besetztes Stadtarchiv, ein städtisches Privattheater, das Theater an der Ruhr, eine große Volkshochschule, eine Stadtbücherei mit Bücherbus, eine Musikschule, eine Stadthalle, den Ringlokschuppen als Kulturzentrum, die RWE Rhein-Ruhr Halle mit Kulturveranstaltungen und die größte Freilichtbühne des Ruhrgebiets. Das alles wissen Sie. Warum erzähle ich Ihnen das?

Mülheim verfügt über Besonderheiten und im Kern aber über eine idealtypische kommunale kulturelle Infrastruktur. So bilden sich in Mülheim, Oberhausen, Essen, Duisburg, Düsseldorf in jeder Stadt die gleichen Kulturinstitute ab, manchmal klein und fein, ein anderes mal groß und grell.

Vereinbarungen über Sammlungsschwerpunkte in den Museen, Bestandsschwerpunkte in den Bibliotheken, Theater- oder Veranstaltungsprofile werden bislang zwischen den Städten nicht vereinbart, sondern bleiben den Initiativen der Institutsleitungen überlassen. Das, meine Damen und Herren, sollte sich ändern.
Kulturpolitik in der Metropolregion Ruhrgebiet ist Kirchturmpolitik. Kulturmarketing macht an Stadtgrenzen halt, genauso wie die Lokalteile der Tageszeitungen. Was wir also tun müssen, liebe Freunde? Wir müssen Kultur regional denken. Mülheim an der Ruhr ist keine Großstadt, die alleine steht, sondern Mülheim an der Ruhr ist ein Bündel interessanter und unterschiedlich strukturierter Siedlungskerne mit eigener Stadtidentität in einer Metropolregion!

Vor Wochen habe ich in Hamburg einen Vortrag gehalten und gesagt: ich freue mich zu lernen, wie Kulturpolitik in der Metropole funktioniert. Ich freue mich zu sehen, wie die Stadtteile sich aufstellen und wie Kultur als Motor für Stadtentwicklung jenseits der über allem thronenden Hochkultur gestaltet wird. Kein Mensch käme in Hamburg auf die Idee, in jedem Stadtteil ein Museum, ein Theater, ein Archiv einzurichten, oder? Bei Stadtteilkulturzentren, bei den Stadtteilbüchereien und für kulturelle Bildungsangebote sieht es anders aus, hier wünschen sich viele Menschen eine wohnortnahe Versorgung. Meine Damen und Herren, wir müssen im Ruhrgebiet Kultur neu denken!

Kommunaler Kulturpolitik im Ruhrgebiet liegt eine einfache Rechenformel zu Grunde: die Addition - unter geflissentlicher Missachtung übrigens etwaiger negativer Vorzeichen. Was einmal existiert, ist unkaputtbar. Einrichtungen sind legitimatorisch abgesichert, sobald sie in Stein gemeißelt sind. Und wir in Mülheim machen weiter: wir werden ein Medienhaus bauen und die Stadtbücherei weiterentwickeln. Wir werden eine ehemalige Augenheilanstalt ausbauen und Stadtarchiv und Musikschule weiterentwickeln. Wir haben einen Boden geschaffen für Beschlüsse, die in ihrer Bindewirkung Mehrausgaben für Kultur erzwingen. Diese Strategie war erfolgreich, löst aber unsere Probleme nicht. Und die liegen darin, dass wir die reflexartigen Forderungen: Kultur muss sein! Kultur darf man nicht kürzen! nicht mehr uneingeschränkt durchbringen. Im Volk werden die Fragen lauter: Was das soll Kultur sein? Und ein breites Verständnis ist für die Frage vorhanden: Darf Kultur so teuer sein, wenn die Einwohnerzahl und das Steueraufkommen sinken? Wir werden uns also in der Metropolregion konzentrieren und profilieren müssen!

Wir müssen das Ereignis Kulturhauptsadt 2010 nutzen, um unsere Kulturlandschaft dem Erfordernis einer Metropole anzupassen und mit der Vielstädterei aufhören. Wir brauchen eine Einigung auf die Kulturarbeit, die wir mit internationalem Anspruch entwickeln wollen, auf die, die national leuchten soll und auf solche, die regional wirkt oder eben nur ganz lokal der Nahversorgung dient.

- Mülheim will sich 2010 an zwei internationalen Projekten beteiligen: dem Festival Theater der Welt und an Melez.

- Mülheim wird ein Interenationales Kulturcamp organisieren und damit Gastgeber werden für internationale Gruppen (Stichwort hier: TWINS 2010). Wir werden Kultur- und Jugendgruppen nach Mülheim einladen, Workshops organisieren und von Mülheim aus gemeinsam die Kulturhauptstadtprojekte im Ruhrgebiet erkunden. Vielleicht schaffen wir es, unsere Jugendherberge zu stabilisieren oder eine neue Perspektive zu entwickeln. Vielleicht können wir auf der Ruhr Haus-Camping-Boote etablieren, vielleicht den Ruhrstrand zu einem Naherholungscampingplatz gestalten. Kultur und Tourismus sollen in Mülheim zusammenwachsen du zwar weniger der Ferntourismus, als der Nahtourismus. Wir wollen den Ruhrtalwanderweg mit dem Bahnhof verknüpfen und Mülheim zum Zentrum des fahrrad- oder bahngestützen Kulturtourismus zu entwickeln In Mülheim kann man sich dann von großstädtischen Strapazen erholen, Ruhe finden, zu Besinnung kommen. Mülheim braucht daher keinen Klamauk, sondern Kopf, Ansprachen für Hirn und Herz.

- Mülheim will mit Pecs nach gemeinsamen Projekten suchen.

Aber, meine Damen und Herren, wir wollen nicht nur Feuerwerke anzünden, feiern bis die Schwarte kracht und 2011 Katerstimmung erleiden. Mit den zuvor genannten Vorhaben wollen wir nachhaltige Wirkung erzielen, Strukturen schaffen. Aber wir tun dies durch unsere aktivierenden Festivals und Veranstaltungen. Ein Beispiel: Wenn wir das Kunstmuseum in der Alten Post fit machen für große Ausstellungen. Dann planen wir eine große Victor-Vasarely-Ausstellung 2010 gemeinsam mit Pecs. Vielleicht können wir sogar im Gegenzug eine Zille-Ausstellung nach Ungarn schicken. Aber wenn 2010 vorbei ist, dann sollten wir Ausstellungsflächen haben, um die Karl-Ziegler-Sammlung würdig und angemessen präsentieren zu können.

Wir wollen also das eine tun und das andere nicht lassen.

Orientierten sich bisher Kulturreferate an den künstlerischen oder kulturellen Sparten (Musik, Literatur, Kunst, Theater etc.) kommt es nun zu einer Orientierung nach Funktionen, die mit Aktivitäten in den einzelnen Sparten erfüllt werden können. Eine solche Kulturpolitik denkt nicht mehr in erster Linie an die Absicherung tradierter Kulturinstitute, sondern wird über die Funktionen von Kulturarbeit diskutieren. Die Funktionen können mit den nachfolgenden erkenntnisleitenden Fragen beschrieben werden?

- Repräsentationsfunktion: Was braucht eine Metropolteilregion, ein Stadtteil, an repräsentativer Kulturarbeit? Wie kann identitätssichernd und –stiftend mit denkmalgeschützten, stadtbildprägenden Bauten und Liegenschaften umgangen werden?

- Bildungsfunktion: Wie kann kulturelle Bildung wohnortnah gewährleistet werden? Welche Möglichkeiten zur kulturellen Bildung werden für Jung und Alt geschaffen?

- Aktivierungsfunktion: Wie wird die Laienkulturarbeit, die eigene künstlerische Betätigung der Bürgerinnen und Bürger, unterstützt? Wie werden Bürgerinnen und Bürger zu kultureller Eigentätigkeit aktiviert?

- Elitefunktion: Wie wird neben einer kulturellen Breite die Entstehung einer kulturellen Spitze gefördert (Nachwuchsförderung)?

- Wirtschaftsfunktion: Wie werden wirtschaftliche Existenzen in der Kulturwirtschaft, Künstlerinnen und Künstler, kulturnahe Freie Berufe, Kulturwirtschaftsbetriebe gefördert?

- Kommunikationsfunktion: Welche Kommunikationsstrukturen werden geschaffen? Wie wird die Vernetzung der Kultur, wie die Kommunikation der Akteure vor Ort gefördert?

- Integrationsfunktion: Wie kann eine möglichst breite Beteiligung und Nutzung öffentlich finanzierter Kultur erreicht werden? Wie kann die Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund an kulturellen Angeboten so erhöht werden, wie es dem repräsentativen Anteil an der Bevölkerung entspricht?

Wie geht es mit dem Kulturbetrieb weiter?
Wir haben in Mülheim große Kulturinstitute geschaffen und wir bauen daran weiter:

- Zentralbücherei, Medienzentrum und Programmkino als Medienhaus am Platz der alten jüdischen Synagoge unmittelbar neben dem Kunstmuseum

- das Haus der Stadtgeschichte und die Musikschule in der ehemaligen Augenheilanstalt
Diese neuen Komplexe wollen wir mit der Weiterbildung unter eine Gesamtleitung stellen.

Vielleicht ist es sinnvoll, für die Querschnittsaufgabe „kulturelle Bildung“ eine eigene Zuständigkeitsstruktur zu legen? Vielleicht können wir gar die Musikschule zu einer eigenständigen Musik- und Kunstschule Mülheim entwickeln, denn sie soll eine gewaltige Aufgabe stemmen:

Im Rahmen des Landesprogramm „Jedem Kind ein Instrument“ sollen jedes Jahr alle 1.500 i-Dötzchen in Mülheim ein Instrument erlernen. Über alle vier Grundschuljahre hinweg sollen bis zu 5.000 Grundschüler nachhaltig für das eigene Musizieren gewonnen werden. Und wir wollen die übrigen 1.000 Schüler, die sich nicht für Musik interessieren, an Kunst, Film, Theater oder Tanz heranführen. Das, meione Damen und Herren, hieße für uns: kulturelle Bildung breit ernst zu nehmen.

Ein anderes Verantwortungsfeld wird Kulturmanagement und –förderung sein. In diesem Feld wird auch die Theaterzuständigkeit liegen. Hier sehen wir für Mülheim das Innovationsfeld „Theaterstadt“.

Eine solche Neustrukturierung des Kulturbetriebs zieht eine veränderte Leitung nach sich. Wir wissen derzeit nicht, ob hierfür auch eine oder mehrere andere Rechtsformen nötig sind. Hierzu werden wir in den nächsten drei Monaten von der Verwaltung einen Vorschlag machen. Parallel berät hierzu derzeit ein interfraktioneller Arbeitskreis.

Meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss:
Der Biologe sagt, Glück sei ein Ergebnis regen Informationsaustauschs des Gehirns, eine Sache der Chemie. Chemische Botenstoffe, Neurotransmitter übertragen Nachrichten von einer Zelle zur anderen. Schauen wir uns einige dieser beforschten Glücksboten an:

Serotonin – dämpft die Angst und lässt uns gelassen reagieren

Dopamin – veranlasst uns, etwas oder jemanden zu begehren (Das ist also etwas für diejenigen unter Ihnen, die sich mehr für das Geheimnis der Liebe interessieren.)

Oxytocin – macht uns glücklich, wenn wir uns um andere kümmern dürfen

Opoide – werden durch Zärtlichkeiten, die wir empfangen, freigesetzt

Liebe Parteifreunde, wenn wir von Kulturpolitik sprechen, dann sind alle Maßnahmen stets darauf ausgerichtet, diese Glücksboten zu vermehren. Kultur soll zum Nachdenken anregen, zur Kommunikation und zum Miteinander, soll begehrenswert sein, soll uns Mut und mutig machen, soll die Seele streicheln, soll uns die Künstler hochheben und feiern lassen.

Ich gebe zu, es gibt Kunst, die das Gegenteil auslöst. Im Misserfolgsfall wird aus jeder Suche ein Unglück. Das ist der Preis der Freiheit. Sollen wir deswegen unsere Suche abbrechen? Also, üben wir uns in Toleranz und lassen die Suche nach dem Neuen, dem Anderen, dem Horizonterweiternden, in Summe also die Suche nach Kultur zu. Stets mögen Sie dabei an meine These denken: Kultur ist ein Nebenprodukt unserer Suche nach Glück. Lassen Sie uns stets weiter nach dem Letzteren suchen!"
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